{"id":299,"date":"2021-02-02T22:28:55","date_gmt":"2021-02-02T22:28:55","guid":{"rendered":"https:\/\/raymundkaiser.de\/wp\/?p=299"},"modified":"2021-04-23T12:08:59","modified_gmt":"2021-04-23T12:08:59","slug":"autopaint-andreas-exner-raymund-kaiser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/autopaint-andreas-exner-raymund-kaiser\/","title":{"rendered":"AUTOPAINT | Andreas Exner \u2013 Raymund Kaiser | J\u00f6rg Daur, Museum Wiesbaden"},"content":{"rendered":"<p><strong>AUTOPAINT<\/strong> | Andreas Exner \u2013 Raymund Kaiser | J\u00f6rg Daur, Museum Wiesbaden | <a href=\"https:\/\/raymundkaiser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/kat_AUTOPAINT_2017_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katalog AUTOPAINT, Bellevue-Saal, Wiesbaden, 2017<\/a><\/p>\n<p>Die Ausstellung, die wir hier vorstellen, hei\u00dft AUTOPAINT. Ich meine, eigentlich k\u00f6nnte es doch auch ein Autosalon sein. Schicker Wagen, Spiegelsaal. Da w\u00fcrde es doch kaum wundern, wenn gleich ein Verk\u00e4ufer um die Ecke k\u00e4me und fragte, ob wir nicht mal probesitzen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>Aber nat\u00fcrlich ist es kein Autosalon. Und Probesitzen ist heute auch nicht m\u00f6glich. Andreas Exner geht es vielmehr um Fragen der Nutzung, Benutzung, Vernutzung, Umnutzung und letztlich auch Entnutzung, wenn er Malerei in oder doch eher an einem Automobil pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Und, beschr\u00e4nkt sich die Malerei denn eigentlich auf das St\u00fcck Leinwand, das anstelle der Fahrert\u00fcrscheibe eingesetzt ist? Oder ist es nicht vielmehr das Auto selbst, der Lack, die Oberfl\u00e4che, die sich hier malerisch geriert. Bei Andres Exner vermischen sich diese Ebenen. Er spielt mit dem Weltenwechsel, der Frage nach Gebrauch, Alltag und Kunst.<\/p>\n<p>Anders als bei John Chamberlain \u201everbraucht\u201c er den Wagen aber nicht f\u00fcr seine Kunst, er leiht ihn sich nur aus. Und das wortw\u00f6rtlich. Das Fahrzeug ist zugelassen und nur vor\u00fcbergehend hier geparkt. Aber auch anders als die vielen Automaler, die die Oberfl\u00e4chen zahlloser Automobile verziert haben, agiert Exner. Seine Malerei ist tempor\u00e4r, die Leinwand kann entnommen werden, der Fiat nachhause fahren, kein Problem. Nur eben jetzt nicht, jetzt ist er Kunst, ist Malerei, f\u00fcr uns heute Abend und f\u00fcr die G\u00e4ste in den kommenden Wochen.<\/p>\n<p>Exner spielt mit dem Fetisch, mit dem heiligen Blechle, bringt zwinkernd \u2013 wie einst Blinky Palermo \u2013 die Malerei dagegen in Stellung. Malerei, die eigentlich immateriell erscheint, wird hier als Objekt real. Urspr\u00fcnglich flach wird sie faktisch, wird r\u00e4umlich und dies nicht nur im Volumen des farbigen Blechs. Keine Frage, die Malerei beschr\u00e4nkt sich nicht auf die Leinwand, vielmehr erstreckt sie sich als Komposition \u00fcber das ganze Fahrzeug, mit seinen Rundungen, Flecken, Ausschnitten, Durch- und Einblicken. Gerade weil ein kleines St\u00fcck Leinwand gegen die \u201enormale\u201c Funktion des Autos rebelliert, haben wir die Chance, dieses einmal anders, mithin mit anderen Vorzeichen zu betrachten.<\/p>\n<p>Das Bild wird uns dabei zum Fenster und doch verschlie\u00dft es sich vor unserem Blick. Au\u00dfen und Innen werden thematisiert. Und, wer genau hinschaut, sieht Malerei \u2013 selbst im Seitenspiegel des Wagens.<\/p>\n<p>Apropos Spiegel: neben dem \u201eFenster\u201c steht dieser f\u00fcr eine weitere Bedeutung des Bildes. Denn: durch das Fenster wird geschaut, wir sehen in eine andere Welt. Der Spiegel aber schaut zur\u00fcck, berichtet von den Geschehnissen auf unserer Seite der Scheibe.<\/p>\n<p>Raymund Kaiser gibt uns dazu Gelegenheit; mit seiner Spiegelwand, die den Blick zur\u00fcckwirft und zugleich uns den Raum erweitert. Aber Halt! Da ist sie wieder unsere Frage, wo ist hier die Malerei? Sind es die Spiegel, die in der Tradition Rauschenbergs, Pistolletos oder Richters den Raum erweitern, reflektieren und bespiegeln, die Wirklichkeit und Bild verschmelzen lassen?<\/p>\n<p>Aber sind da nicht auch blinde Flecken, die Spiegel etwa zerbrochen? Fehlt hier gar ein St\u00fcck der Wirklichkeit? Und: Sind nicht vielmehr diese Ausbr\u00fcche bei genauer Betrachtung die eigentliche Malerei? Hier sehen wir Faktisches, wir sehen eine Handschrift, sehen, wie Farbe aufgetragen und schlie\u00dflich zu ganz unterschiedlichen, r\u00e4umlich erscheinenden Strukturen wird. Im Gegensatz zum Spiegelpart, der uns nur zeigt, was wir schon kennen, finden wir dort etwas neues, andersartiges, vor allem aber best\u00e4ndiges. Denn das, was wir jetzt im Spiegel sehen, ist nachher nicht mehr da, ist fl\u00fcchtig und nur f\u00fcr den Augenblick.<\/p>\n<p>Die Malerei, unscheinbar grau, aber bleibt. Die Spiegel\u00adwand besteht aus vielen Bildern, aus Einzelfragmenten, die wir im Schauen zusammenf\u00fcgen oder auch isoliert betrachten k\u00f6nnen. Ganz bewusst ist hier ein modularer Aufbau gew\u00e4hlt, der die Spiegelung hinterfragt, der sie letztlich auch bricht. Befragt werden Komposition genauso wie Oberfl\u00e4che und R\u00e4umlichkeit des Bildes. Im Ergebnis offen und nicht festgelegt.<\/p>\n<p>Der Raum, in dem wir uns befinden, wird befragt und zeigt sich pl\u00f6tzlich in ganz unterschiedlichen Facetten. Wir sehen Spiegelungen in der Kunst, wie auch im Fenster auf der gegen\u00fcberliegenden Seite, in der sich alles nochmal zu zeigen scheint. Zur\u00fcckgenommen jedoch und in einer anderen optischen Ebene.<\/p>\n<p>Und noch etwas finden wir im Raum: Die R\u00fcckwand ist verhangen. Ein gro\u00dfes Transparent f\u00e4ngt unseren Blick. Nicht nur, dass hier der Titel von Andreas Exner nochmals ganz gro\u00df angeschlagen wird, nein, uns selbst wird damit auch ein St\u00fcck des Raums genommen. Wo an den L\u00e4ngsseiten der Raum erweitert wird, dringt hier etwas ein, tritt uns gegen\u00fcber: Am Ende ein weiteres Thema der Malerei, die nicht nur Fenster und Spiegel sein kann, sondern auch Vorhang, der etwas verbirgt oder nur vage durchscheinen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Und immer bleibt dabei die Frage, was wird denn hier eigentlich gezeigt? Und was bleibt uns hier verborgen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AUTOPAINT | Andreas Exner \u2013 Raymund Kaiser | J\u00f6rg Daur, Museum Wiesbaden | Katalog AUTOPAINT, Bellevue-Saal, Wiesbaden, 2017 Die Ausstellung, [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"template-page-builder.php","format":"aside","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-299","post","type-post","status-publish","format-aside","hentry","category-texte","post_format-post-format-aside"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"fr","enabled_languages":["de","en","fr"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=299"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1183,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/299\/revisions\/1183"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=299"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=299"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=299"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}