{"id":528,"date":"2021-02-20T21:07:40","date_gmt":"2021-02-20T21:07:40","guid":{"rendered":"https:\/\/raymundkaiser.de\/wp\/?p=528"},"modified":"2021-04-23T11:46:37","modified_gmt":"2021-04-23T11:46:37","slug":"mehr-als-sehen-ueber-die-macht-der-farbe-sabine-sander-fell-ausstellung-im-kunstverein-bochum-2003","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/mehr-als-sehen-ueber-die-macht-der-farbe-sabine-sander-fell-ausstellung-im-kunstverein-bochum-2003\/","title":{"rendered":"Mehr als Sehen \u2013 \u00dcber die Macht der Farbe | Sabine Sander-Fell | Ausstellung im Kunstverein Bochum, 2003"},"content":{"rendered":"<p><strong class=\"headblack\">Mehr als Sehen \u2013 \u00dcber die Macht der Farbe<\/strong> | Sabine Sander-Fell | Ausstellung im Kunstverein Bochum, 2003 | <a href=\"https:\/\/raymundkaiser.de\/fr\/mehr-als-sehen-ueber-die-macht-der-farbe-sabine-sander-fell-ausstellung-im-kunstverein-bochum-2003\/\">Traduction par Nadia van der Grinten<\/a>&nbsp;| <a href=\"https:\/\/raymundkaiser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/Katalog_Bochum1.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katalog<\/a><\/p>\n<p>Raymund Kaiser reflektiert \u00fcber die Farbe. Seine Bilder handeln von ihrer physischen Beschaffenheit und sinnlichen Wahrnehmung. Dabei wird eine Strategie erkennbar, die sich durch ein Wechselspiel von spiegelnden und opaken Farbfl\u00e4chen auszeichnet. W\u00e4hrend Raymund Kaiser in seinen fr\u00fcheren Bildern auf ein formales Kompositionsschema zur\u00fcckgreift, indem er den Bildraum pr\u00e4zise horizontal oder vertikal teilt, erprobt er in seinen neuesten Arbeiten eine freie Fl\u00e4chenaufteilung, die spontan im Moment des Farbauftrags entsteht und kein stringentes Schema mehr erkennen l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Als Bildgrund verwendet Raymund Kaiser eine wei\u00df grundierte, geschliffene Holztafel, auf die er eine schnell trocknende Alkydfarbe mit einem Spachtel gleichm\u00e4\u00dfig deckend auftr\u00e4gt. Auf diese glatte Farbschicht tr\u00e4gt er nun in mehreren Lagen eine stark lasierende \u00d6lfarbe mit einem breiten Pinsel auf. Das Trocknen der jeweiligen Farbschicht macht das weitere Vorgehen zu einem \u00fcber Wochen andauernden Prozess. Die verwendeten Lasurfarben k\u00f6nnen einer Farbgruppe angeh\u00f6ren oder aber im Farbton divergieren. Auf diese Weise entsteht ein lebhaft leuchtendes, helles Rot oder ein gr\u00fcnliches Ocker, das ins Kobaltblaue changiert. Das Auftragen der Lasurfarbe ist Experiment und Kalk\u00fcl zugleich. Dabei spielt der Versuch, einen bisher noch nicht gesehenen Farbton zu finden, eine Rolle. Auch die momentane Stimmung hat Einfluss auf die Auswahl der Farben. Aus der \u00dcberlagerung transparenter Einzelfarben entwickelt sich eine individuelle Farbigkeit, die weiter reicht als konventionelle Farbbenennungen. Die Mehrdeutigkeit der Farbeindr\u00fccke \u2013 der unvertraute Farbton der Malerei \u2013 fordert die visuelle Wahrnehmung des Betrachters heraus. Im Anschluss an die Lasurmalerei tr\u00e4gt Raymund Kaiser mit dem Spachtel oder der Malerschiene eine opake \u00d6lfarbe auf die sich spiegelnde Farbfl\u00e4che auf. Diese Farbe wird mit einem Wachs angereichert, um ihr eine festere, dickere Konsistenz zu geben. Von oben nach unten wird die Farbe meist in einem Arbeitsgang \u00fcber die darunter liegenden Farbschichten gezogen. Je nach Farbmenge entsteht unter dem gleichm\u00e4\u00dfigen Druck der Malerschiene eine glatte, matt schimmernde, pastose Farbschicht, die sich schollenartig auf der Bildfl\u00e4che ausbreitet. Wenngleich ihre Verteilung in jedem Bild andere Konfigurationen bildet, wird deutlich, dass sich gr\u00f6\u00dfere, zusammenh\u00e4ngende Farbpartien an den Bildr\u00e4ndern sowie in der unteren Bildh\u00e4lfte in kleinere Farbinseln aufl\u00f6sen. Der Farbton wird von der darunter liegenden Lasurmalerei bestimmt. Mit Farbproben wird die opake \u00d6lfarbe analytisch ermittelt, um den Farbeindruck der beiden Schichten \u2013 so weit wie dies nur m\u00f6glich ist \u2013 anzun\u00e4hern.<\/p>\n<p>Die Arbeiten von Raymund Kaiser reagieren subtil auf das Licht und den sie umgebenden Raum. Im Verlauf eines Tages ver\u00e4ndert das Bild mehrfach seine Farberscheinungen. Je nach Lichtst\u00e4rke und Einfallswinkel der Lichtquelle oszillieren die verschieden farbigen Pigmente der transparenten Lasurmalerei und erzeugen ein komplexes Farbenspiel. Die spiegelnde Oberfl\u00e4che der Malerei \u00f6ffnet das Bild nach au\u00dfen und f\u00e4ngt Fragmente der Wirklichkeit ein. Dem Betrachter er\u00f6ffnen sich so weitere Sehoptionen, da er durch den Wechsel seiner Position die Spiegelungen beeinflussen kann: Je nach Standort ergibt sich eine neue Perspektive. Das Wahrnehmen der gespiegelten Wirklichkeit im Bild mag den Betrachter zun\u00e4chst irritieren. Die visuellen Reize, die Neugier und die Schaulust, die diese Spiegelungen erzeugen, versetzen das Sehen in einen Zustand h\u00f6chster Aufmerksamkeit.<\/p>\n<p>Jedoch konterkariert die dar\u00fcber liegende, opake Farbschicht best\u00e4ndig die \u00d6ffnung des Bildes nach au\u00dfen. Je nach Gr\u00f6\u00dfe ihrer Ausdehnung unterbindet sie die Raumillusion und versiegelt die darunter liegende, spiegelnde Bildfl\u00e4che. Auf diese Weise entsteht ein spannungsvolles Zusammenspiel zwischen Spiegelungen und Verh\u00fcllungen. Die Bilder erzeugen \u00fcber ihre Farbe visuelle Energien, die auf die Emotionalit\u00e4t des Betrachters einwirken. Es ist die Macht der Farbe, mit der Raymund Kaiser den Sehenden ber\u00fchrt und zugleich durch den Konzentrationsprozess auf die jeweilige Farbwirkung in ganz unterschiedlicher Weise Resonanz erzeugt.<\/p>\n<p>Parallel zu den gemalten Bildern finden sich Arbeiten, in denen Raymund Kaiser Malerei mit dem Medium der Fotografie kombiniert. Im Unterschied jedoch zur spiegelnden Lasurmalerei reagiert die Oberfl\u00e4che der Fotografie weniger stark auf Licht und Umraum: Sie erscheint als matter, zarter Farbschleier, der durch seine feinen Farbschattierungen aus sich selbst heraus R\u00e4umlichkeit suggeriert. Diese tiefenr\u00e4umliche Wirkung, die Spekulationen \u00fcber verschiedene denkbare Raumasso-ziationen ausl\u00f6st, wird durch eine opake \u00dcbermalung, die sich dem Farbton der Fotografie angleicht, best\u00e4ndig herausgefordert.<\/p>\n<p>Die Bilder von Raymund Kaiser untersuchen Ph\u00e4nomene, die Augen und Intellekt in gleichem Ma\u00dfe ansprechen. Seine Malerei entwickelt sich aus der Farbe, die er in ihrer unterschiedlichen Materialit\u00e4t auf ihre optische Wirkung hin analysiert. In diesem Sinne ist das sichtbare Bild eine wandelbare Erscheinung. Es entfaltet eine Bild\u00e4sthetik, die die vitale Qualit\u00e4t des Sichtbaren stets aufs Neue erfahrbar macht und die Freuden des Sehens* vor Augen f\u00fchrt.\b \b<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">* Bridget Riley: Malen um zu sehen. Gesammelte Schriften 1965-2001; 2002<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehr als Sehen \u2013 \u00dcber die Macht der Farbe | Sabine Sander-Fell | Ausstellung im Kunstverein Bochum, 2003 | Traduction [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"template-page-builder.php","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-528","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en","fr"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":true,"content":true,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/528","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=528"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/528\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1172,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/528\/revisions\/1172"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=528"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=528"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=528"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}