{"id":420,"date":"2021-02-16T21:08:36","date_gmt":"2021-02-16T21:08:36","guid":{"rendered":"https:\/\/raymundkaiser.de\/wp\/?p=420"},"modified":"2021-04-23T12:11:11","modified_gmt":"2021-04-23T12:11:11","slug":"reflect-gespraech-zwischen-petra-oelschlaegel-raymund-kaiser-und-rainer-splitt-kunstverein-mmiii-moenchengladbach-2013","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/reflect-gespraech-zwischen-petra-oelschlaegel-raymund-kaiser-und-rainer-splitt-kunstverein-mmiii-moenchengladbach-2013\/","title":{"rendered":"#reflect | Gespr\u00e4ch zwischen Petra Oelschl\u00e4gel, Raymund Kaiser und Rainer Splitt | Kunstverein MMIII M\u00f6nchengladbach 2013"},"content":{"rendered":"<p><strong class=\"headblack\">#reflect<\/strong> | Gespr\u00e4ch zwischen Petra Oelschl\u00e4gel, Raymund Kaiser und Rainer Splitt |&nbsp;Kunstverein MMIII M\u00f6nchengladbach 2013 | <a href=\"https:\/\/raymundkaiser.de\/wp-content\/uploads\/2021\/02\/reflect_MMIII_web.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Katalog<\/a><\/p>\n<p>Die Ausstellung <strong><em>#reflect<\/em><\/strong> pr\u00e4sentiert zwei K\u00fcnstler, die sich auf h\u00f6chst unterschiedliche Weise mit Farbe, ihrer Substanz und insbesondere ihrer r\u00e4umlichen Wirkung auseinandersetzen. Dabei beziehen sie sich \u00fcber den gew\u00e4hlten Ausstellungstitel bereits auf die grundlegende Eigenschaft von Farbe als reflektiertes Licht.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der ebenerdige Ausstellungsbereich des M\u00f6nchengladbacher Kunstvereins durch einen monumentalen Farbguss Rainer Splitts am Boden dominiert wird, befindet sich auf der Empore eine aus sechzig verspiegelten Tafeln zusammengesetzte Wandarbeit von Raymund Kaiser. Mit einem silbernen Lackmarker hat er die einzelnen Tafeln dieser ca. 3 x 14 m gro\u00dfen Fl\u00e4che auf unterschiedliche Weise mit Schraffuren bedeckt und derart angeordnet, dass sich mehr oder weniger zusammenh\u00e4ngende Formen ergeben. Den Ausstellungsraum spiegelnde leere Fl\u00e4chen wechseln sich mit den \u201ezugemalten\u201c ab und bilden ein spannungsvolles Verh\u00e4ltnis von Einbeziehung und Ausschluss des Umraumes und des Betrachters. Fast immateriell schwebt die Schraffur, eine beinahe farblose Farbe vor der Spiegelfl\u00e4che, die gleichzeitig an Inseln und Kontinente im Nichts erinnert.<\/p>\n<p>Rainer Splitts raumgreifender Farbguss aus z\u00e4h flie\u00dfender, grauer Polyurethanfarbe ist nicht Malerei, obwohl es um Farbe im eigentlichen Sinne geht, und ist auch nicht Skulptur. Er hinterfragt die Grenzen beider Genres und verunsichert den Betrachter mit seiner malerisch-plastischen Setzung auf nachhaltige Weise.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: In Euren unterschiedlichen k\u00fcnstlerischen Positionen geht es um Farbe und ihre r\u00e4umliche Wirkung. Dabei beschreitet Ihr h\u00f6chst unterschiedliche Wege. Wie sch\u00e4tzt Ihr die Beziehung zwischen Planung und Zufall ein? Wie wichtig ist der Raum mit seinen Leerstellen, ich meine, dem ungenutzten Raum?<\/em><\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: Eigentlich ist es ein geplanter Zufall. Die spontan entstehenden Fl\u00e4chen nutze ich um der Arbeit eine gr\u00f6\u00dftm\u00f6gliche Offenheit zu geben. Ich beginne, nachdem der Malgrund oder Spiegelgrund angelegt ist, mit dem Verteilen der Farbe mittels einer Rakelschiene oder auf den Spiegelfolien mit dem Lackmarker. Ab diesem Moment ist es von meinem spontanen Sehen abh\u00e4ngig, wie ich die Farbmasse verteile oder mit dem Lackmarker eine Fl\u00e4che schraffiere. W\u00e4hrend es sich bei meiner Malerei mit lasierten Lackschichten um ein einzelnes Bildrechteck handelt, sind es bei meiner Spiegelinstallation im MMIII, 60 hochformatige Tafeln, die auf ein Format von 291 x 1360 cm kommen. So treffe ich bei einer solit\u00e4ren Malerei andere Entscheidungen als bei der Spiegelinstallation, bei der sich das Bild erst als Zusammenschau aller Teile ergibt.<\/p>\n<p>Bei der Installation <em>#reflect<\/em>\u2009 habe ich die M\u00f6glichkeit, die einzelnen Teile immer wieder anders zu kombinieren genutzt, und so nach und nach die schlu\u00dfendliche Form gefunden. Ich sehe den Spiegel als einen unendlichen Raum. Die Fl\u00e4chenfragmente machen die Grenze zum konkreten Raum sichtbar und die unbestimmbare Tiefe der Spiegelung bewusst. Sie werden zu Orientierungsfl\u00e4chen im Spiegelraum. Insofern ist es wichtig, dass sie den Spiegelraum nicht gro\u00dffl\u00e4chig verdecken, sondern ihn bewusst machen, und das somit imagin\u00e4re Potenzial f\u00fcr den Betrachter \u00f6ffnen.<\/p>\n<p><em>Rainer Splitt<\/em>: Raum. Ob man etwas als Ding, Raum oder Oberfl\u00e4che wahrnimmt, ist ja vor allem eine Frage an den Betrachter, seinen Blick und seinen Blickwinkel. Nat\u00fcrlich hat jedes Ding und jeder Raum sein \u201eBild\u201c; jede Farbe formuliert ein Bild auch von sich selbst und nicht nur von dem Raum. Die \u201eNegativform\u201c ist ebenfalls Farbe, Bild und Raum. Kann irgendetwas die \u201enicht-gemeinte Form\u201c sein?<\/p>\n<p>Die \u201eLeerstelle\u201c, das ist \u00fcblicherweise der Raum, den der Betrachter zun\u00e4chst einnimmt; da liegt die Farbe vor den F\u00fc\u00dfen und die Wand als Raum f\u00fcr das Bild bleibt leer. Die erstarrte farbige Masse ist schon gemeint, aber nicht nur \u2013 in ihr spiegelt sich unter bestimmten Blickwinkeln die Realit\u00e4t (der Umgebung); sie nimmt aber auch Raum fort (der Boden ist verdeckt). Interessant finde ich die Rolle des Betrachters: erst einmal muss er die statische Position verlassen, weil sich mit einem Blick gar nicht alles aufnehmen l\u00e4\u00dft, dann entdeckt er verschiedene Blickwinkel und verschiedene Bilder; schlie\u00dflich \u2013 so hoffe ich \u2013 entdeckt er sich selbst als sich bewegender K\u00f6rper im Raum, gewissermassen in Analogie zur farbigen Masse, die irgendwann in der Bewegung inneh\u00e4lt. Der Betrachter, sich selbst und seinen Blick beobachtend, ist das Thema hinter dem Material, hinter der Farbe, hinter dem Spiegel.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Mit den gew\u00e4hlten Farbt\u00f6nen steht Ihr recht nahe beieinander. Warum Silber- und Graut\u00f6ne? Warum keine knalligen Farben wie in anderen Farbg\u00fcssen oder einzelnen Arbeiten?<\/em><\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: F\u00fcr mich hat sich bei meiner Spiegelinstallation die Frage nach der Farbe nicht gestellt. Ich wollte diese Arbeit als ein malerisches Skelett. Von jeder Eigenfarbe befreit, reflektiert sie die Farbatmosph\u00e4re des Umraumes. Es ist wie Malen ohne Farbe. So ist auch die schwarze Lackarbeit im unteren Bereich nur konsequent. Die Oberfl\u00e4che reflektiert in der Hauptsache nur die Farbmomente aus der Umgebung.<\/p>\n<p><em>Rainer Splitt<\/em>: Die Auswahl eines Kolorits geschieht meist emotional; ganz unreflektiert jedoch nicht. Bei jeder Ausstellung gibt es eine neue Neugier, etwas was man herausbekommen m\u00f6chte&#8230; hier habe ich angesichts der zur Verf\u00fcgung stehenden Fl\u00e4che einen Ton gesucht, der die Grenze zwischen Farbe und Nicht-Farbe ber\u00fchrt. \u201eDa sein\u201c und \u201eweg sein\u201c gleicherma\u00dfen; dieses Thema besch\u00e4ftigt mich seit vielen Jahren (in den Gussboxen sieht man das ja explizit). Das Kolorit ist nur schwach-farbig, der eingenommene Raum daf\u00fcr recht gro\u00df.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Rainer, Deine Farbg\u00fcsse sind wie Skulptur ohne Sockel bzw. Malerei ohne Grund. Deine Farbg\u00fcsse verschmilzen mit dem Raum und stehen jenseits traditioneller Gattungsbegriffe. Wo w\u00fcrdest Du Dich selber am ehesten einordnen?<\/em><\/p>\n<p><em>Rainer Splitt<\/em>: Der Platz zwischen den St\u00fchlen ist an sich ein guter! Von Peter Weibel gab es mal die eingef\u00fchrte Kategorie \u201espatialer Malerei\u201c \u2013 die ich eine Weile, trotz des sperrigen Begriffs, ganz sympathisch fand. Die Farbg\u00fcsse werden von den Theoretikern oft im Malereizusammenhang diskutiert; anders als bei den meisten Malern gehe ich aber nicht von einer Vorstellung aus, f\u00fcr deren Realisierung dann die geeigneten Mittel herangezogen werden; eher umgekehrt: wichtig ist mir etwas elementares, notwendiges bzw. plastisch richtiges zu tun bei dem das \u201eBild\u201c das manchmal \u00fcberraschende Ergebnis bildet, nicht umgekehrt. Der Austausch der Leinwand gegen den Fu\u00dfboden, so k\u00f6nnte man sagen, macht das Bild weniger abstrakt, bringt es der Realit\u00e4t und dem Betrachter n\u00e4her. Oder anders herum: der Betrachter wird mit zum Bild (egal, ob er nun die Farbfl\u00e4che betritt, oder sich in der Negativform in sicherer Distanz f\u00fchlt).<\/p>\n<p>Gattungsn\u00e4he sehe ich insgesamt eher zur Konzeptkunst \u2013 als Bildforschung mit Farbe. Das \u201eBild\u201c, gleichzeitig der inneren Logik von Handlung und Material verpflichtet wie auch abh\u00e4ngig vom \u201eBlick\u201c: der Betrachter als aktiver Teil des Bildes betrachtet sich, seine Bewegung und sein Schauen eben auch \u2013 und nat\u00fcrlich das Verhalten der anderen und die eigene Verantwortung f\u00fcr deren Blick.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Raymund, in Deinen Werken f\u00fchlt man sich immer wieder an Landkarten erinnert, an Kontinente und das Abstecken zwischen Wasser und Land. Dabei beziehst Du die Spannungspole von Materialit\u00e4t und Taktilit\u00e4t, von lasierend und opak, von \u00d6ffnung und Vergitterung bzw. Abschottung ein. Welche Bedeutung hat f\u00fcr Dich die Entscheidung f\u00fcr einen tats\u00e4chlich spiegelnden Malgrund? Wie unterscheidet sich die Arbeit f\u00fcr M\u00f6nchengladbach diesbez\u00fcglich von fr\u00fcheren Werken, in denen das Moment des Spiegels ebenfalls bereits vorkam?<\/em><\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: Die Entscheidung f\u00fcr den spiegelnden Malgrund hat sich langsam durch stetiges Beobachten herausgebildet. Die Wirkung wurde f\u00fcr mich zunehmend interessanter, da die Spiegelung zum bildgebenden Element wird, das je nach Position des Betrachters, von eingespiegelten Elementen des Raumes mitbestimmt wird.<\/p>\n<p>Das f\u00fcr mich interessante ist die Aufhebung des statischen Bildes zu einem scheinbar bewegten Bild. Der spiegelnde Bildgrund ist wie eine leere Leinwand, die zur Projektionsfl\u00e4che wird. Damit erweitert sich das Bild \u00fcber seinen Rahmen hinaus.<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu fr\u00fcheren Malereien beziehen die Aktuellen den konkreten Raum, wie auch den Betrachter, noch st\u00e4rker ein. Ich beobachte, dass sich Malerei immer mit dem illusionistischen Raum besch\u00e4ftigt und der immer Bestandteil einer Malerei ist. Die Einbeziehung der Spiegelung in meine Malerei kommt meiner Auseinandersetzung mit dem scheinbar Gleichen und doch vielf\u00e4ltig Anderen entgegen.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Raymund und Rainer: Was interessiert Euch aneinander? Wo seht ihr Ber\u00fchrungspunkte in Eurer Arbeit und wo die gr\u00f6\u00dften Unterschiede?<\/em><\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: Bei Rainer Splitt hat mich immer fasziniert, wie er mit einfachen Mitteln die Farbe als Nuance und Substanz sichtbar macht. In seinen Arbeiten ist die Herstellungsweise in der Form immer nachvollziehbar. Es ist auch f\u00fcr mich \u00fcberraschend, wie in manchen Formergebnissen eine Verwandtschaft zu bestehen scheint. Aber w\u00e4hrend ich immer im Bild arbeite, agiert Rainer im konkreten Raum, der vom Betrachter zu begehen ist, w\u00e4hrend er meine Spiegelinstallation nur imagin\u00e4r betreten kann.<\/p>\n<p><em>Rainer Splitt<\/em>: Beide Positionen besch\u00e4ftigen sich mit der Gleichzeitigkeit von Pr\u00e4senz und Abwesenheit. Meines Erachtens fokussiert Raymund dabei st\u00e4rker auf das im Bild selbst liegende; manche Bildteile sind sehr pr\u00e4sent, scharf konturiert und oben aufliegend \u2013 andere Bildteile sind schwer zu fassen, verschwinden im Sog des Bildraums. W\u00e4hrend Raymund dies durch subtilste malerische Differenzierung erreicht, interessiert mich mehr das Faktische der Farbe an sich. Farbe, die im allgemeinen die Haut der uns umgebenden Dinge bildet, formuliert unser Bild von der Welt. Wieviel Substanz hat die Oberfl\u00e4che und kann man ohne ein darunter auskommen? Geht Farbe ja \u2013 Bild nein? Oder gibt es ein Bild ohne Blick? Solche Fragen sehe ich eher im Fokus meiner Arbeit.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Ihr besch\u00e4ftigt Euch beide mit der Figur-Grund-Thematik. Dabei konnte Raymund vor Ort durch das Anordnen der Einzelelemente die Bildaussage stark beeinflussen. Bei Rainer hatten die Umgebungsbedingungen (Temperatur, Gef\u00e4lle, Abbindegeschwindigkeit) der Korrektur vor Ort enge Grenzen gesetzt. In wieweit ist Spontaneit\u00e4t f\u00fcr Euer Werk von Bedeutung? <\/em><\/p>\n<p><em>Rainer Splitt<\/em>: Feuchtigkeit und Temperatur hatten tats\u00e4chlich einen \u00fcberraschend gro\u00dfen Einfluss auf das Erscheinungsbild, insbesondere an den R\u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: F\u00fcr meine Arbeit brauche ich immer einen Rahmen, in dem dann Spontaneit\u00e4t und Zuf\u00e4lligkeit passieren kann. Der konzeptuelle Rahmen f\u00fcr meine Installation im MMIII war definiert, aber die Platzierung der Spiegelfl\u00e4che, auch die freigelassene wei\u00dfe Wandfl\u00e4che habe ich erst angesichts des Raumes entschieden. Bei einer Vorinstallation im Atelier hatte ich schon einige Spiegelelemente mit dem silbernen Lackmarker bearbeitet, die mir vor Ort als Einstieg in die Realisierung dienten.<\/p>\n<p>Doch erst beim Arbeiten in situ konnte ich dann die Installation in der vollen Gr\u00f6\u00dfe sehen und entsprechend reagieren. So habe ich immer wieder Teile der Arbeit neu geordnet, also die sich verbindenden Fl\u00e4chenfragmente ge\u00e4ndert. Ich musste mich auf die Bedingungen und meine Wahrnehmung des Raumes im MMIII einlassen und bin so zu dem installierten Ergebnis gekommen.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Eure beiden Positionen fordern die Wahrnehmung des Betrachters auf besondere Weise. Die Inbesitznahme des Kunstwerkes kann nur durch Abschreiten, Erwegen und Betrachtung aus unterschiedlichen Positionen erfolgen. Wie sieht f\u00fcr Euch ein \u201eidealer Betrachter\u201c aus?<\/em><\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: Mit meiner Arbeit fokussiere ich den Betrachter auf bestimmte Momente und Ereignisse in meiner Malerei. Ich bereite ihm ein Feld, in dem er seine spezielle Bildwahrnehmung erfahren kann. Ein Betrachter wird immer seinen pers\u00f6nlichen Blick auf die Arbeit haben.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel: Wo seht Ihr die Grenzen f\u00fcr Eure Kunst in der Abbildung? Ist das reale Erleben essentiell, um Eure Position tats\u00e4chlich zu sehen und zu verstehen?<\/em><\/p>\n<p><em>Rainer Splitt<\/em>: Anwesenheit ist als Erfahrungskategorie schwer abbildbar; der Abbildung fehlt nat\u00fcrlich das Sensuelle des Materials, die Unmittelbarkeit und der Zeit-Raum-Kontext im Realraum. Dennoch, der Blick auf die Abbildung hat auch Vorteile: Er setzt weniger das Material in Beziehung zum Raum als vielmehr das Bild in Beziehung zur Disposition des eigenen Schauens. \u201eInbesitznahme\u201c braucht sicher vor allem diesen Blick in den doppelten Spiegel.<\/p>\n<p><em>Raymund Kaiser<\/em>: Im Gegensatz zur Abbildung gestattet das Original keinen distanzierten Betrachter. Er befindet sich mit dem \u201eSpiegelbild\u201c in einem Raum und und kann sich der Absorption durch den Bildgrund nicht entziehen. Er hat viele M\u00f6glichkeiten in das \u201eBild\u201c einzusteigen und es regelrecht zu durchlaufen und dabei immer neue Aspekte in der Bild-Struktur zu entdecken. In dieser Spiegel-Realit\u00e4t findet er in dem reflektierten Umraum auch sein verschwommenes Selbst-Bild wieder.<\/p>\n<p><strong><em>#reflect<\/em><\/strong> als Ausstellungstitel verdeutlicht, welche Bedeutung f\u00fcr beide K\u00fcnstler die Spiegelung und somit permanente Einbeziehung des Raumes und des betrachtenden Subjekts hat. Er verweist ebenfalls auf die HTML-Schreibweise f\u00fcr Farbwerte als Ziffern und Buchstabencode. Der Farbwert #reflect w\u00fcrde im HTML-Code jedoch keine Wirkung entfalten, da dieser nur im Analogen, d.h. zwischen Betrachter und Objekt wahrnehmbar ist. Genau dieses Verh\u00e4ltnis zwischen Subjekt und Objekt, zumeist unbewusst gleichzeitig wahrgenommen und \u201epassierend\u201c, steht im Mittelpunkt der Ausstellung.<\/p>\n<p>Die Werke bieten Grundlage und Spiegelfl\u00e4che von Wahrnehmung und rufen zur permanenten Standortver\u00e4nderung und \u00dcberpr\u00fcfung des Gesehenen auf. Die vom jeweiligen \u201eBild-still\u201c, also der einzelnen Sicht auf das Werk, ausgehende kurzzeitige Erfassung und das Verst\u00e4ndnis des Kunstwerks weichen immer wieder dem verunsichernden Erlebnis, dass es von anderer Stelle doch ganz anders erscheint \u2013 inklusive einer sich stets ver\u00e4ndernden Spiegelung von Raum und eigener Person.<\/p>\n<p>Vielschichtiger, tiefgr\u00fcndiger, nie vollkommen zu erfassen k\u00f6nnte ein Kunstwerk kaum sein \u2013 n\u00e4her an Fragen nach dem eigenen Sein k\u00f6nnte es wohl auch schwer r\u00fchren.<\/p>\n<p><em>Petra Oelschl\u00e4gel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>#reflect | Gespr\u00e4ch zwischen Petra Oelschl\u00e4gel, Raymund Kaiser und Rainer Splitt |&nbsp;Kunstverein MMIII M\u00f6nchengladbach 2013 | Katalog Die Ausstellung #reflect [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"template-page-builder.php","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-420","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-texte"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en","fr"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false},"fr":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=420"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1186,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/420\/revisions\/1186"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=420"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=420"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/raymundkaiser.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=420"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}